Schwanhavel

Mit Faltbooten unterwegs auf der Havel

Tom Schilling

2013

Für meine Mutter


Impressum

Auflage Juli 2025
© Tom Schilling, Dresden, Deutschland

Dieses Buch ist ein Ausdruck der Webseite
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2013 - Im Kanu unterwegs auf der Mecklenburger Seenplatte von Kratzeburg bis Waren mit Albi, Gerd und Matz

L ca. 114 km, Z 6 Tage


Start: 22.6.2013 - Kratzeburg
Ende: 27.6.2013 - Waren (Müritz)

Karte der Tour
Karte der Tour (Befahrung im Uhrzeigersinn)
erzeugt unter Verwendung von Open Street Map

Vorbemerkung 2025: Wie immer, wenn ich Touren mit Freunden unternehme, gibt es so viel zu erzählen, daß ich abends nicht die Kraft habe, Tagebuch zu führen. Nach dem ersten Tag hatte ich noch einen Audiokommentar gesprochen, danach nicht mehr. Weil ich nicht sofort zum Aufarbeiten der Tour gekommen bin, stammt das meiste aus der Erinnerung von 12 Jahren später.

Vorbereitung

Dieses Jahr sind wir von der Quelle der Havel bis zur Müritz gepaddelt. Wir, das sind Albi, Gerd, Matz und ich. Wir haben zwei Faltboote mit, mein Kolibri 4 und den RZ85 (Reisezweier 85) vom Matz. An der Havelquelle war ich noch nie und meine letzte Befahrung der Müritz lag schon wieder 9 Jahre zurück. Deshalb war einiges Neues dabei. Ich hatte mir den alten DDR-Wasserwanderatlas 1997 noch mal neu besorgt, weil ich das erste Exemplar verschusselt hatte. Für Fotos hatte ich die Pentax S4i in einer Otterbox mit. Die war eigentlich schon vor 3 Jahren durch eine Canon S90 ersetzt worden. Es wäre also kein materieller Verlust, wenn die ins Wasser fällt. Schnuckelig war die ja. Leider wurde die Hälfte der Bilder verwackelt und unscharf.




  Kratzeburg ↣ Camping Hexenwäldchen

K km 16, L 16 km   Gewässer: Käbelicksee, Havel, Granziner See, Schulzensee, Pagelsee, Zotzensee, Jäthensee, Treidelgraben, Jamelsee

Abfahrt war früh 7:09 Uhr, damit wir 13:15 Uhr schon in Kratzeburg sind und noch was vom Tag haben. Die Anschlüsse funktionieren alle und wir kommen pünktlich an. In Neubrandenburg werden noch Vorräte für 3 Tage gefaßt. Wir haben ja sonst kaum was zu schleppen.   ;-)    Auf dem Weg zur Aufbau-Wiese am Bahndamm Kratzeburg überqueren wir die Havel als Rinnsal.

Anmarsch des zweiten Bootes Havelquelle

Unter dem Bahndamm fließt die Havel durch. Die Quelle ist nicht weit entfernt.

Wir bekommen die Boote zügig zusammengebaut und stechen gegen 15 Uhr in See. Den Käbelicksee, um genau zu sein. Das Wasser ist leicht bewegt. Wir paddeln über mehrere kleine Seen, die durch kurze Stücke der Havel verbunden sind. Strömung gibt es keine, wir müssen selber ran.

aufgebaute Boote Käbelicksee
GPS: 53.42720, 12.943973

Wir starten im Käbelicksee.

Anfangs geht es durch Nationalpark-Gebiet, das wir bis zur Übernachtung durchquert haben sollten. Gerd hat einige Geo-Caches auf der Liste, die schnell abgearbeitet werden müssen, denn der Weg ist noch weit.

Geo-Cache Geo-Cache
Geo-Cache Geo-Cache
Auf der Suche nach Geo-Caches.

An der ersten Umtrage-Stelle an der Granziner Mühle herrscht Hochbetrieb. Glücklicherweise gibt es 3 große Wagen auf dem Gleis. Es geht zügig voran. Die Bilder sind von Albi, weil ich, wie man sieht, zu alle Hände voll tun hatte.   ;-)

Wendeschleife Granziner Mühle Landtransport Granziner Mühle
Landtransport an der Granziner Mühle

Die Sonne scheint und es ist trotzdem nicht zu warm, perfektes Paddelwetter. Die Stimmung ist gut, auch wenn der Weg noch weit ist.

Zotzensee
Das perfekte Blau des Zotzensees.
Boot voraus
Boot voraus

Tagesziel sollte der Wasserwander-Rastplatz in Babke sein. Leider wurde daraus nichts, weil Wasserwanderrastplätze mittlerweile nicht mehr zur Übernachtung da sind. Wozu eigentlich sonst? Der Babker Platz offenbar zu nichts, denn er besteht nur aus Gestrüpp und ungemähter Wiese. Wir hängen noch ein paar Kilometer dran und versuchen, den Zeltplatz Hexenwäldchen zu erreichen. An der Schleuse in Babke gab es wieder Schienen zum sehr komfortablen Umtragen.

Wasserwanderrastplatz Babke Umtrage in Babke
Wasserwanderrastplatz und Umtrage in Babke.
Ausgang Jäthensee
Die schon tief stehende Sonne beleuchtet den Ausgang des Jäthensees.

Der Zeltplatz Hexenwäldchen war eine gute Wahl, denn die nette junge Frau vom Empfang zeigt uns einen Platz am Ufer, der unserem Ideal vom Wild-Campen ziemlich nahe kommt. Zudem gibt es morgen früh frische Brötchen.

Zeltplatz Hexenwäldchen GPS: 53.34778, 12.91963
Zeltplatz Hexenwäldchen

  Camping Hexenwäldchen ↣ Floßgraben

K km 40, L 24 km   Gewässer: Jamelsee, Treidelgraben, Havel, Görtowsee, Zierzsee, Useriner See, Labussee, Weißer See, Woblitzsee, Floßgraben

In der Nacht gab es einige kurze Regenschauer, aber früh ist es wieder trocken. Vorhergesagt ist, daß es sich in den nächsten Tagen abkühlt und ab und zu regnet. Wir werden sehen. Wegen des ausgedehnten Frühstücks kommen wir erst um zehn Uhr aufs Wasser.

Boote Einsetzen

Wir starten.

mein Schaaatz!
mein Schaaatz!
Faltboot Schwäne
Schwäne und Schwanfotografen

Der erste größere Regenguß startet gerade, als wir auf dem Useriner See nahe an einem schilffreien Ufer entlang paddeln. Wir spurten in den Schutz der Bäume und warten ab. Durch das dichte Blätterdach kommt fast nichts durch. Wir ziehen uns umsonst die Regensachen an.

Regenpause
Regenpause, wir bleiben trocken.
Regenpause Regenpause
Wir nutzen die Zeit, um uns die Beine zu vertreten und einen Snack einzuwerfen.

An der Schleuse vor dem Großen Labussee müssen wir umtragen. Das geht bequem per Schiene, wir müssen nur warten, bis unsere Vorgänger mit ihrer großen Jolle fertig sind.

Wenn sich Matz und Albi voll ins Zeug legen, können wir nicht lange mithalten. Ihr Boot ist länger und läuft besser und meine Armmuskulatur ist eher zum Bleistift halten entwickelt als zum Paddeln.

RZ85
Poser

Geplantes Etappenziel war der in der Wasserwanderkarte eingetragene Zeltplatz am Weißen See. Leider ist er geschlossen. Damit sind alle offiziellen Übernachtungsmöglichkeiten für heute erschöpft und wir müssen uns was in der Wildnis suchen. Die Stimmung ist leicht im Keller. Wir tragen die Boote wieder zurück in den Labussee und versuchen auf dem weiteren Weg eine Übernachtung zu finden.

Käferhotel
Käferhotel an der Umtragestelle zum Weißen See.

Wenigstens können wir auf dem Rückweg über den Labussee mit dem Wind segeln. Unsere richtigen Segel hatten wir zu Hause gelassen, also mußten wir improvisieren.

Segeltörn Segeltörn
Segeltörn mit Müllsäcken

Die Zeltplatzsuche gestaltete sich schwierig. Anlandemöglichkeiten am Seeufer sind wegen der dichten Schilfgürtel sehr begrenzt und die wenigen guten Plätze waren schon von ankernden Motorboten belegt. Auch die Ufer der Havel zwischen Labus- und Woblitzsee sind mit Schilf bestanden, außerdem stört uns der rege Hausbootverkehr. Ich schlage vor, den vom Woblitzsee abgehenden Floßgraben zu erkunden. Der ist weit genug von Siedlungen entfernt und könnte eine ungestörte Übernachtung bieten.

Gulliotine Gulliotine
Hervorragend getarnte Guillotine im Floßgraben.

In einem Wäldchen steige ich aus und erkunde die Gegend. Hinter dem Waldstreifen finde ich eine schöne Lichtung, die an ein Feld angrenzt. Das Herausholen der Boote über das hohe, steile Ufer und der Transport durch den Wald gestalten sich schwierig, aber machbar. Von der anderen Seite des Feldes könnte man uns sehen, vermutlich bemerkt uns niemand. Da gerade erst Sommersondenwende war, ist die späte Ankunft kein Problem. Es ist noch ausreichend lange hell. Einige Mücken sind noch unterwegs.

Biwak am Floßgraben GPS: 53.31168, 13.0448
Biwak am Floßgraben, mit Selbstauslöser aufgenommen.

  Floßgraben ↣ Kanuhof Wustrow

K km 54, L 14 km   Gewässer: Floßgraben, Woblitzsee, Schwaanhavel, Plätlinsee

Früh regnet es, erst mittags klart es auf. Wir starten 11 Uhr. Um zwei Uhr haben wir gerade mal die fünf Kilometer bis Wesenberg geschafft. Wir legen an der Kanu-Mühle an und machen einen Stadtbummel. Der Ort feiert 750 Jahre seines Bestehens. Das Burgfest verpassen wir leider um zwei Wochen.

Rasenmäher-Trio
Das Rasenmäher-Trio macht einen infernalischen Lärm.

Wir besuchen das Museum in der Burg. Im Inneren sind Fotografien von Lars Hoffmann ausgestellt, die uns schon mal auf die erwartete Regenperiode einstimmen. Ansonsten sind dörfliche Geräte und anderer Kram zu sehen. Dazu vom NABU eine Ausstellung über Biber. Im Museumsshop entdeckt Albi Himbeer-Prosecco- und Erdbeer-Physalis-Marmelade. Vom Burgturm aus hat man einen schönen Rundblick auf den Ort und auf den See.

Regenfoto Morgenpaddeln

Paddler bei Sonnenaufgang (Lars Hoffmann)

Blick vom Turm der Burg Wesenberg Reiher im Museum Wesenberg

Versponnener Reiher im Burg-Museum

Turmaufgang
Aufstieg zum Turm

Gerd sucht noch einen Geo-Cache am Wesenberger Findlingsgarten. Ich sehe mir derweil die Chronik der Storchenbraten in Wesenberg an. (Oder -bruten? Das Schild läßt Raum für Interpretationen.) Aktuell ist das Nest bewohnt und ich sehe Nachwuchs. Mich beunruhigen die dunklen Wolken darüber.

Storch im Wesenberger Findlingsgarten Brut-Historie des Storchs
Storch im Wesenberger Findlingsgarten.
Rastplatz Wesenberg
Zurück am Rastplatz verstauen wir die neuen Einkäufe.

Weiter paddeln wir erst 18 Uhr. An der Schleuse haben wir doppelt Glück, daß noch geschleust wird und der Schleusenwärter auf uns wartet. Wir legen uns ordentlich ins Zeug.

Der Schleusenwärter wartet versteckter Seiteneingang

Ein versteckter Seiteneingang. Gehts da zum U-Boot Hafen?

Kurz danach nehmen wir den Abzweig in die Schwaanhavel. Das ist ein klares flaches Fließ, bei dem man die Wasserpflanzen auf dem Grund erkennen kann.

enger Durchlass enger Durchlass
Enger Durchlass in die Schwaanhavel
Schwanhavel
Huch, was ist das? Ein Vexierbild?
Limbo Limbo
Limbo in der Schwaanhavel

Die letzte Station des Tages ist der Plätlinsee. Auf sehr ruhigem Wasser gleiten wir dahin und genießen die Abendstimmung.

Plätlinsee
Plätlinsee

Wieder ist es heute spät geworden. Erst halb neun legen wir am Kanuhof Wustrow an. Um weiterzukommen, müssen wir die Boote ohnehin aus dem Wasser ziehen und wollen das gleich mit der Übernachtung verbinden. Wir bauen die Zelte auf. In der Nähe liegt ein wunderhübsches Feld voller Kornblumen. Ich vergesse, ein Zeltfoto zu machen.

Anlegesteg GPS: 53.22243, 12.96792
Anlegesteg am Kanuhof Wustrow.
Kornblume Kornblumenfeld
Getreidefeld mit Kornblumen

  Kanuhof Wustrow ↣ Fleether Mühle

K km 68, L 14 km   Gewässer: Balinkasee, Klenzsee, Gobenowsee, Drosedower Bek, Rätzsee

Am Morgen ist die Stimmung im Keller. Es hat die Nacht durch geregnet und auch für die nächsten Tage ist Regen angesagt. Der Abbruch der Tour liegt in der Luft, als ich am Ausgang des Kanuhofs entdecke, daß jemand eine kleine Sonne unter den Wetterbericht gemalt hatte, mit dem Spruch "Ich komme wieder!". Ich zeige sie den anderen. Letztlich bewegt uns die kleine Kritzelei auf dem Wetterbericht, es doch weiter zu versuchen.

Regenvorhersage

Es regnet den ganzen Tag lang und ich knipse kein weiteres Foto. Alle Bilder dieses Tages sind von Albi. Gerd hat keine richtige Regenjacke mit und ist bald ziemlich durchnäßt. Auch meine Regenjacke hält nicht ewig dicht. Zum Glück ist es unter dem Spritzverdeck windstill und einigermaßen warm. Das schwerere Paddel haben wir unter Deck sicher verstaut und wechseln uns mit dem anderen ab.

Regenpaddeln Regenpaddeln
Regenpaddeln
Seerose Seerose
Seerosen
Bootshäuser
Bootshäuser im Regen
Schilf
nasses Schilf
Reuse
Reuse

Wir zelten an der Fleether Mühle auf dem Gelände des Kanuverleihs "Pack- und Paddel". Unsere Zelte sind naß und draußen zu kochen macht keinen Spaß. In dem kleinen Aufenthaltsraum im Gebäude ist leider kein Platz für uns. Wir unternehmen einen Ausflug in den Ort Fleeth, um vielleicht ein Abendessen zu bekommen oder einzukaufen. Leider erfolglos.

Pfützenschild GPS: 53.22083, 12.86155
Pfützenschild

  Fleether Mühle ↣ Camping Müritz

K km 93, L 25 km   Gewässer: Vilzsee, Mössensee, Zotzensee, Müritz-Havel-Wasserstraße, Mirower See, Granzower Möschen, Kotzower Seen, Mössel, Leppinsee, Junkerkanal, Woterfitzsee, Bolter Kanal, Caarpsee, Müritz

Der Regen hat in der Nacht aufgehört, aber für Sommer ist es immer noch recht kalt. Wir trödeln bis kurz vor elf, bevor wir die Boote wieder einsetzen.

Geo-Cache nach Schleuse
Geo-Cache nach der Schleuse

Auch in Mirow haben wir ein Kulturprogramm. Wir besuchen die Johanniterkirche.

Kirche in Mirow
Johanniterkirche in Mirow
Comics in Mirow leerer Platz Comics in Mirow
Frühe Kirchen-Comics
Woterfitz-See
Woterfitz-See

Mein Fotoapparat zeigt wieder die Macken, weswegen ich ihn eigentlich ausgemustert hatte: Er setzt sich häufig zurück und verliert Uhrzeit und Datum. Sehr nervig, das bei jedem Einschalten wieder einstellen zu müssen. Ich lasse es und muß später die Fotos von Hand zuordnen.

Bolter Kanal
Bolter Kanal, am Ende erwartet uns die Müritz.

Der Bolter Kanal führt an einer Mole ein Stück in die Müritz hinein. Von Nordwesten kommen Wellen und Gegenwind. Wir beratschlagen, wo wir heute übernachten wollen. Zurückfahren und uns am Kanal in die Büsche schlagen? Oder schaffen wir die 500 Meter bis zum Zeltplatz? Das RZ85 hat kein Spritzverdeck.

Alles halb so wild! Wir kommen wohlbehalten kurz vor Sonnenuntergang auf dem Zeltplatz an.

Ankunft Mueritz Zeltplatz Ankunft Mueritz Zeltplatz
Kurz vor einem wunderschönen Sonnenuntergang lassen wir uns an den Strand spülen.
Mueritz-Zeltplatz Mueritz-Zeltplatz
GPS: 53.37568, 12.76728
Zeltplatz an der Müritz

  Camping Müritz ↣ Waren Müritz (und Rückfahrt)

K km 114, L 21 km   Gewässer: Müritz, Binnenmüritz

Das gestrige kurze Stück Müritz hat uns darin bestärkt, daß wir die Tour fortsetzen wollen. Wir bleiben in der Nähe des Ostufers, um uns im Notfall retten zu können. Dadurch haben wir einige Kilometer mehr zu paddeln und am Ende den Wind von vorn. Kurz vor der Hafen-Einfahrt in Waren (Müritz) gibt es noch mal richtig hohe Wellen.

Auf der Müritz
Auf der Müritz

Unser Zeitplan sah vor, daß wir in Waren übernachten. Aber je näher wir dem Ziel kamen, desto wahrscheinlicher wurde es, daß wir heute Abend noch eine Verbindung zurück nach Dresden bekommen. Wir beeilen uns und bauen die Boote in Rekordzeit ab. Trocknen würden sie auch zu Hause.

Tatsächlich schaffen wir es, früh um eins zu Hause zu sein. Trotz einigem Regen hat eine schöne Tour ihr Ende gefunden.

Waren Müritz GPS: 53.51379, 12.68181
Waren Müritz
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