Paddeln auf der Elde-Müritz Wasserstraße
Tom Schilling
2025
Für meine Mutter
Impressum
Auflage Juni 2025
© Tom Schilling, Dresden, Deutschland
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Inhalt
Download der kompletten Tour als .pdf
2025 Paddeln in Mecklenburg von Schwerin bis Waren (Müritz)
L 133 km, Z 8 Tage
Vorbereitung
Zufällig ergibt sich dieses Jahr die Gelegenheit, daß die Crew von 2013 mal wieder zusammen einen Paddelurlaub unternehmen kann. Nachdem ich 2014 mein Kolibri IV in der Saale versenkt hatte, besorgte ich mir auf eBay relativ schnell Ersatz. Leider verstaubte das gut erhaltene Kolibri III bisher im Keller, denn Wandertouren mit dem Packraft erschienen attraktiver. Höchste Zeit, mal wieder etwas im Faltboot zu unternehmen!
Die Tour soll von Schwerin die Elde stromauf führen und weiter durch die großen Seen nach Waren (Müritz). In Gegenrichtung hatte ich diese Tour bereits 1997 mit Andreas unternommen, hatte aber so gut wie keine Erinnerungen mehr daran. Hängengeblieben war nur, daß uns damals in der Lübzer Schleuse ein kühles Lübzer Pils aus einem fahrbaren Kiosk verkauft wurde. Und daß wir auf dem Plauer See sehr mit Gegenwind zu kämpfen hatten, um zum Werder-Zeltplatz zu kommen.
Angesehen hatte ich mir auch einen Beginn in der Elbe, aber die möglichen Ausgangspunkte waren dieses Jahr wegen Neubau der Bahnstrecke alle schlecht mit dem Zug zu erreichen. Wir entscheiden uns zur Anreise mit Auto nach Schwerin.
Dresden ↣ Schwerin ↣ Banzkow
K km 18, L 18 km Gewässer: Schweriner See, Störkanal
Wir starten früh um 5 Uhr, weil wir heute noch eine komplette Etappe mit 18 Kilometern vorhaben. Kurz vor 11 Uhr sind wir in Schwerin. Es verspricht, ein heißer Tag zu werden. Kein Wölkchen ist am Himmel.
Am Ufer neben dem Parkplatz am Schloß können wir das Boot nicht wie geplant einsetzen, weil der Rasen nicht bis zum Wasser reicht. Gerade als wir uns nach etwas anderem umsehen wollen, finde ich einen kleinen Hundestrand gleich neben dem Eingang zum Parkplatz. Einige Bäume spenden Schatten, es gibt eine Wiese, nur ein dezenter Urinduft liegt in der Luft.
Wir bauen die Boote zügig zusammen. Nach anderthalb Stunden ist alles komplett. Bis alles eingeladen ist, vergeht nochmal eine halbe Strunde. Gerd ist mittlerweile vom Auto abstellen zurück. Das funktioniert besser als erwartet.
Was wir am Schloßteich noch nicht sehen können, ist der Seegang auf dem Schweriner See. Er ist nicht besonders hoch, ich atme auf. Wir können das Spritzverdeck eingepackt lassen. Nur einen leichten Gegenwind haben wir. Boote sind außer uns keine unterwegs.
Auf halber Strecke über den See verschwindet Schwerin hinter uns.
Vor uns taucht nach der Landzunge (minimal dunkleres Grün) der Ausgang des Sees auf.
Am Eingang des Störkanals warten Albi und Matz auf uns, die uns auf dem See davongepaddelt waren. Wir müssen uns wieder daran gewöhnen, daß wir im Kolibri langsamer sind als die beiden im RZ 85. Auch im Kanal weht immer noch ein Gegenwind. Als wir die Kilometrierung entdecken, stellen wir trotzdem auf 1-Paddel-Betrieb um und verstauen das zweite Paddel unter Deck. Der Abstand zwischen uns Paddlern ist so gering, daß ich nicht mal mein Paddel vor mir ablegen kann, ohne daß Gerd ständig daran hängenbleibt. Nervig, wenn ich mal für einen Moment eine Hand frei haben möchte.
Eingang des Störkanals
Im Kanal
Der Kanal ist wunderbar ruhig. Aus dem Augenwinkel sehe ich einen Eisvogel links im Gebüsch und beobachte ihn beim Losfliegen, als wir ihn erreichen. Ein Biber schwimmt vom rechten Ufer vor unser Boot und taucht zwei Meter davor mit lautem Platsch unter. Wenig später sehe ich am Ufer einen vom Biber bearbeiteten Baumstumpf. Burgen wird er auf einer offiziellen Wasserstraße nicht bauen dürfen, aber in den Nebenarmen läßt man ihn bestimmt gewähren. In all diesen Situationen bin ich nicht schnell genug, das Handy aus der Tasche zu nesteln und beim Biber habe ich die Selfie-Linse ausgewählt, ohne daß ich das merke. Bei Gegenlicht und voller Sonne sehe ich nichts auf dem hoch über Gerds Kopf gerecktem Display.
Wir passieren mehrere Badestellen, an denen man das Boot aus dem Wasser ziehen könnte. An Land sind Radfahrer und Spaziergänger unterwegs, auf dem Wasser ist niemand. In Banzkow steige ich vor der Brücke aus, um die Schleusungsmodalitäten zu klären. Es gibt einen Schleusenwärter und ein Boot wird gerade in Gegenrichtung geschleust. Wir müssen nur warten, bis wir an der Reihe sind.
In der Schleuse
Der schnurgerade Störkanal nach der Schleuse
Gleich nach der Schleuse beginnt der geradeste Abschnitt der kompletten Tour, aber damit müssen wir erst morgen zurechtkommen. Wir paddeln nur noch 2 Kilometer, bis zur Einmündung eines Seitenarms. Die Landspitze hatte ich mir auf Google Maps als Tagesziel herausgesucht. Die Tafel eines Bootsverleihs weist darauf hin, daß man dort nach § 45, Abs. 2 des Landesnaturschutzgesetzes campen darf.
Kanucamp Banzkow
Ein Foto der Tafel hatte ich schon bei Google Maps gesehen.
Die Wiese auf der Landspitze ist einladend frisch gemäht. Wir ziehen die Boote aus dem Wasser, bauen die Zelte auf und gehen baden. Das Wasser ist wunderbar erfrischend.
An beiden Ufern verlaufen Wege, die von Anglern und Spaziergängern genutzt werden. Ein Mann kommt ebenfalls zum Baden. Gerd unterhält sich mit ihm und erfährt, daß er in der Coronazeit hier am Ufer mit Freunden gegrillt hat, von der Polizei erwischt wurde und eine hohe Geldstrafe zahlen sollte, die dann doch nicht eingetrieben wurde. Angeblich wäre auch das Zelten hier verboten, wegen Naturschutz. Ich kann das nicht glauben. Vermutlich hat er die Strafe wegen eines Verstoßes gegen die Coronaauflagen bekommen. Von Naturschutzgebiet sehe ich nichts in der Karte. Und niemand würde doch so ein Schild aufstellen, wenn er eine einmalige Übernachtung nicht wenigstens tolerieren würde.
Banzkow ↣ Parchim
K km 43, L 25 km Gewässer: Störkanal, Elde
Nachts höre ich ein lautes Platschen, als sich direkt neben uns ein Tier ins Wasser fallen läßt. Ansonsten schlafe ich gut. Gerd ist schon früh auf den Beinen. Ich warte, bis sich im anderen Zelt was regt. Wegen des ausgedehnten Frühstücks kommen wir erst gegen zehn los.
Heute haben wir leichten Rückenwind. Extra für diesen Fall hat Gerd einen Lenkdrachen mitgenommen, der uns die Arbeit erleichtern soll. Leider ist der Wind nicht stark genug, daß der Drachen hoch aufsteigt. In den meisten Versuchen pendelt er nur kurz über dem Wasser und verliert dann die Lust. Auf jeden Fall sind wir auch auf dem langen geraden Stück gut beschäftigt.
Am Zusammenfluß mit der Elde sehen wir uns den alten Elde-Arm an. Er ist mit einem Baumstamm abgesperrt und sehr stark zugewachsen, vermutlich also nicht mehr befahrbar. Die Insel hat einen winzigen Zugang, wahrscheinlich für den Geocache darauf. Ausgestiegen sind wir nicht, denn wir haben heute noch viele Kilometer vor uns.
Gerd hat wie immer Probleme mit der Weichheit der Rücken- und Sitzkissen. Ich hatte 8 mm Evazote auf das Holz geklebt. Darauf kamen noch jeweils 1-2 aufblasbare Sitzkissen. Leider hatten wir die in Dresden nicht ordentlich getestet. Die meisten verloren schnell die Luft. Ich bin anfangs noch mit der aufgeklebten Rückenlehne ausgekommen, war später aber froh, daß mir Albi noch ein faltbares Sitzkissen spendiert hatte. Als Sitzpolster diente mir ein sehr hartes Schaumstoff-Schwimmbrett, daß mir 3 Zentimeter zusätzliche Höhe verschaffte.
Im Hafen Garwitz landen wir an und schlendern auf der Suche nach einem Mittagessen durch den Ort. Die Gaststätte "Zur Schleuse" hat erst ab 17 Uhr offen und der Kiosk am Bad hat Mittagspause. Gerd hat die Idee, daß wir die halbe Stunde bis zur Öffnung für das Schleusen nutzen können. Eine Schleusung dauert meist länger als eine halbe Stunde, weil die riesigen Schleusentröge sich nur langsam mit Wasser füllen.
Danach gibt es Mittagessen am Bad. Die einzige Möglichkeit, an Land zu kommen, ist ein räudiger winziger Steg, der einige Zentimeter im Wasser versinkt, wenn man drauftritt. Ich habe das kommen sehen und vorsorglich die Socken ausgezogen. Wenn sie Geld an Paddlern verdienen wollen, und das haben sie in unserem Fall genug getan, sollten sie mal in eine trockenere Anlandemöglichkeit investieren!
Während wir auf den Liegestühlen abhängen und im Internet surfen, kommt uns ins Bewußtsein, daß die Schleusen alle nur bis 18 Uhr betrieben werden. Gestern waren wir ahnungslos gerade noch rechtzeitig gekommen. Heute ist die Schleuse Parchim entscheidend und die ist noch 10,5 Kilometer und zweieinhalb Stunden entfernt. Der Wasserwanderrastplatz liegt hinter der Schleuse, direkt davor ist kein schöner Übernachtungsplatz zu finden. Entweder wir schaffen das bis 18 Uhr, oder wir haben ein Problem. Nach kurzer Schockstarre beschließen wir, sofort loszupaddeln und uns zu beeilen.
Wir keulen los und das RZ85 verschwindet schon bald am Horizont. Wir sind leider nicht so schnell. Bis einige Kilometer vor Parchim sehen die Ufer sehr einladend aus und ich überlege, ob man die Übernachtung vorzieht. Leider erreiche ich die anderen nicht am Telefon und so bleibt uns nichts weiter übrig, als weiterzupaddeln. Vor Parchim stellen wir auf 2-Paddel-Betrieb um und geben alles. Wir erreichen das Boot vor uns gerade in dem Moment, als die Schleuse auf grün umschaltet, und ziehen lässig daran vorbei. Es ist 10 Minuten vor 18 Uhr.
Gleich nach der Schleuse geht es nach links in einen Seitenarm. Wir sind entsetzt von dem hoch aufragenden Kai am Wasserwanderrastplatz. Da kommen wir doch nie raus! Eine Frau ruft uns zu, daß wir weiter um die Insel fahren sollen, da gibt es eine niedrige Brücke über eine faltboottaugliche Einfahrt.
GPS: 53.42597, 11.84285
Wir kommen gut an Land. Die Chefin empfängt uns und läßt uns die Wahl zwischen zwei kleinen Zeltwiesen. Heute soll noch ein größerer Trupp Paddler ankommen, deshalb wählen wir die abgelegenere hinter den Sanitärgebäuden. Für alle zusammen kostet die Übernachtung lediglich 10 €. Dafür nehmen die Automaten an den Zugängen des Sanitärtrakts jedes Mal 50 ¢. Ich muß mich zusammenreißen, nicht wie sonst dauernd auf die Toilette zu gehen. Leider hat niemand ein Zeltfoto gemacht.
Albis Luftmatratze war letzte Nacht am Rand aufgeplatzt und hatte schlagartig alle Luft verloren. Das ist nicht seine erste Pleite mit Exped-Matten. Bisher gab es immer die große Luftkammervereinigung, die die Matten unbrauchbar machte. Mir wäre eine Luftmatratze von Exped in der Wildnis ein zu großes Risiko. Wir kleben den Spalt mit SeamGrip zu. Der Kleber wird erst nach Stunden fest und ist frühestens nach einem Tag belastbar, weswegen sich Albi heute eine andere Unterlage suchen muß. Der stundenlang flüssige Kleber verursacht bei der vom Wind bewegten Matte noch einige Sauereien. Der Rest der Mannschaft stockt im Supermarkt die Vorräte auf.
Die Kneipenempfehlung der Zeltplatzbetreiberin war der Pub am anderen Ufer und so setzen wir uns bald dahin in Bewegung. Es gibt einen Biergarten direkt am Ufer, aber weit entfernt vom Stamm-Haus. Die Kellner haben einen sehr weiten Weg zu laufen. In einer Kiste finden wir Sitzunterlagen für unsere geschundenen Hintern und Rücken. Das Essen ist gut. In der Karte steht der Preis für ein Pint Newcastle Brown Ale, gebracht wird aber nur 0,5 Liter. Da fehlen 12 Prozent! Auch bei der Abrechnung macht der Kellner einen Fehler und bringt sich so versehentlich selbst um ein Trinkgeld von mir.
Parchim ↣ Burow
K km 62, L 19 km Gewässer: Elde
Erst um 11 Uhr sind wir auf dem Wasser. Es geht bei schönstem Sonnenschein wieder zurück in den Hauptarm der Elde. Wir paddeln wieder abwechselnd jeder einen Kilometer, so daß der andere die Seele baumeln lassen kann oder versucht, die Paddelei gleich ganz durch ein Drachensegel zu ersetzen. Rückenwind haben wir manchmal, aber nicht genug. Häufig stürzt der Drachen ab, bevor er die richtige Höhe erreicht.
Es herrscht mehr Verkehr als auf dem Störkanal, wo wir praktisch allein waren. Wir müssen auf Motorboote achten.
Wie immer ziehen Albi und Matz schnell davon. Wir werden zusätzlich gebremst durch über das Ufer hängende Brombeerbüsche, die natürlich abgeerntet werden müssen. In Neuburg an der L09 legen wir am Ufercamp Eldeblick an. Leider hat das Restaurant noch geschlossen, aber wir warten die halbe Stunde ab, bis es öffnet. Vollgefressen kommen wir nach einem weiteren Kilometer an der Schleuse Neuburg an und lassen uns hochhieven. Die riesigen Schleusenkammern füllen sich mit dem geringen Zufluß nur sehr gemächlich. Zwischen den beiden Bildern liegt eine Viertelstunde! Andererseits sorgen die hohen Schleusen dafür, daß wir die Gegenströmung der Elde nicht zu spüren bekommen. Da will ich mich nicht beschweren.
Acht Kilometer weiter biegen wir ab in einen Altarm der Elde und erreichen den wunderschönen Rastplatz Burow. Wir sind allein auf dem Gelände und suchen uns für unsere Zelte einen Platz in der Abendsonne aus. Auch die Sitzgruppe haben wir für uns. Die liegt leider schon im Schatten. Bezahlt wird durch Einwurf des Geldes in einen Briefkasten.
Auf dem Gelände stehen einige toll bepflanzte Blumenkübel. Wir liefern uns einen Wettbewerb um das schönste Zinnien-Foto.
Albi
Matz
ich
Bonus-Biene
Bei der Internetrecherche in Bad Garwitz waren wir auf einige Berichte gestoßen, daß die Schleuse in Lübz geschlossen wäre. Wir machen uns Sorgen, denn auf der Karte sieht das Umtragen schwierig aus. Glücklicherweise findet Gerd noch eine Meldung vom NDR, daß die Schleuse ab 1.8. wieder passierbar ist.
Burow ↣ Kuppentin
K km 80, L 18 km Gewässer: Elde
10:30 Uhr sind wir auf dem Wasser. Der 5-köpfigen Schwanenfamilie waren wir gestern schon auf dem Weg zum Rastplatz im Altarm der Elde begegnet. Einer der Jungschwäne hat schon sein weißes Gefieder, die anderen noch nicht. Sie lösen in jedem von uns den Fotografier-Reflex aus.
Matz (am Vorabend)
Albi
Gerd
ich
Mittags erreichen wir Lübz und stellen uns an der Warteschlange der Schleuse an. Das Schleusen funktioniert problemlos. Wegen der riesigen Wassermengen dauert es nur ein wenig. Wir üben uns in Geduld und hängen cool ab. Oben angekommen, sehen wir noch die Reste der Bauarbeiten.
Im Ort findet gerade ein 3-tägiges Volksfest statt, das "Lübzer Turmvergnügen". An einem Anleger vertäuen wir unsere Boote und werfen uns in den Trubel. Der Name kommt vom Turm, an dem das Festgelände liegt. Natürlich wurde Lübzer Pils ausgeschenkt. Die Band und das Programm reißen mich nicht vom Hocker und so unternehme ich einen kurzen Rundgang durch Lübz.
Der alte Amtsturm, der dem Fest den Namen leiht.
Das Museum war geschlossen.
Die zwei Hausboote in der Schleuse waren uns bei unserer Rast davongefahren. Dafür versuchen zwei andere uns nach Lübz zu überholen. Der Überholvorgang zieht sich ewig in die Länge. Albi und Matz legen einen Zahn zu, damit sie dem Lärm und Gestank entkommen. Das können wir zwei nicht leisten, deswegen machen wir eine Zwangspause um wenigstens eine Kanalbiegung zwischen uns und den Stinkern zu bekommen. An der Schleuse Bobzin sind wir alle wieder vereint. Das hintere Hausboot läßt in der Schleuse die ganze Zeit den Motor laufen. Eine Zumutung.
Elefantenrennen
Vor der Schleuse Bobzin
Auf dem Zeltplatz Bermudadreieck in Kuppentin herrscht reger Betrieb. Wir bekommen Stellplätze für unsere Zelte neben einem Holländer, der sein großes Hauszelt einen Meter außerhalb der Markierung aufgebaut hat und dazu verdonnert wird, alles nochmal abzubauen und zu versetzen. Er tut mir leid. Wegen uns wäre das nicht nötig gewesen, aber der Holländer bleibt länger und der Zeltplatzwart will den Platz für den nächsten Tag optimal aufgebaut haben. Nachdem die Zelte stehen und die Boote an Land einen Fleck gefunden haben, wo sie niemanden stören, genießen wir noch das warme Flußwasser, bevor dort die Sonne verschwindet.
Anleger des Zeltplatz Bermudadreieck
Unsere Zelte vor dem des Holländers
Danach besorgen wir uns ein dunkles Bier und entspannen uns. Der Zeltplatz wird lediglich von einem Paar betrieben, Edith und Stephan, die alle Hände voll zu tun haben. Anmeldung, Platzzuweisung, Ausschank, Küche, überall dauert es ein wenig. Die nächste Schlange bildet sich dann vor den Toiletten, einer für jedes Geschlecht.
Kuppentin ↣ Werder-Insel
K km 98, L 18 km Gewässer: Elde, Plauer See
Als wir 10 Uhr lospaddeln, sind die Hausboote schon abgefahren. Wir haben den Fluß einen Moment lang für uns alleine.
Im Hafen gibt es einen schmalen Durchgang hinter einem Metallpfeiler, um auf die landzugewandte Seite des letzten Stegs zu kommen. Dort machen wir die Boote fest und niemand nimmt Notiz von uns.
Unser erstes Interesse gilt den Fischverkaufsstellen. Wir werden beim Müritzfischer fündig. Albi nimmt Wels, den anderen reichen Fischbrötchen mit Hering. Alles sehr lecker! Wir setzen uns auf der Rückseite des Ladens auf eine Bank im Schatten, direkt am Fluß. Nur das Kühlaggregat nervt.
Nach einem Stadtrundgang geht es 16 Uhr auf dem Wasser weiter. Wir wollen quer über den Plauer See zur Werderinsel und dort zelten.
Am Bootsanleger des Zeltplatzes steige ich aus und kläre die Modalitäten. Die anderen fahren zur Zeltwiese am nördlichen Ende.
Wir bauen die Zelte in der allerersten Reihe auf, noch vor den Parzellen und von diesen durch eine dichte Hecke getrennt. Eine Idylle! Vom Zeltplatzleben bekommen wir fast nichts mit.
GPS: 53.48519, 12.32174
Mitten zwischen Badebucht und unseren Zelten liegt ein Wespennest, in dem ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Wir müssen jedes Mal einen großen Schritt machen, wenn wir daran vorbei wollen, und schaffen es doch, da kein einziges Mal hineinzutreten.
Man muß an dieser Stelle sehr weit in den See hineinlaufen, um auch nur mit den Knien unterzutauchen. Das Bad ist sehr erfrischend. Danach hole ich für jeden ein kühles Bier und frage den Zeltplatzwart, ob wir den speziellen Anleger nutzen dürfen. Ein wunderbarer Tagesausklang!
Werder-Insel ↣ Silz
K km 115, L 17 km Gewässer: Plauer See, Müritz-Elde-Wasserstraße, Petersdorfer See, Malchower See, Fleesensee, Göhrener Kanal, Kölpinsee, Jabelscher See
Wir nutzen die Sitzgruppe an der Badestelle für ein opulentes Frühstück. Wieder könnte es ein heißer Tag zu werden. Kein Wölkchen ist zu sehen.
Nachdem wir den Plauer See hinter uns haben, kommt als nächste größere Stadt Malchow. Wir laufen in den Hafen ein und werden gleich vom Hafenmeister angequatscht. Er macht uns einen "speziellen Preis" für unsere Boote. Das ist ein Tabubruch! Zum ersten Mal bezahlen wir dafür, irgendwo anlegen zu dürfen. Weil wir unterwegs aber nichts Besseres gesehen hatten, lassen wir uns darauf ein und zahlen.
Wir unternehmen einen Spaziergang durch die Stadt und finden uns danach wie viele andere Touristen vor der Drehbrücke ein und warten darauf, daß sie geöffnet wird. Unterwegs gibt es das obligatorische Fischbrötchen.
Hat eigentlich "Pommern" was mit Kartoffeln zu tun?
Frommer Spruch an der Goetheschule
Offene Brücke, die Parade beginnt.
Erstaunlich, was für Riesen-Pötte man ohne Führerschein fahren darf. Es macht Spaß, denen in engen Schleusen zuzusehen.
Zurück im Hafen nehmen wir unsere gut bewachten Boote wieder in Empfang und stechen in den nächsten See, den Fleesensee.
Wir haben wieder Rückenwind und probieren noch Mal Gerds Lenkdrachen aus. Diesmal funktioniert es! Zwar kommt der Wind nicht direkt von hinten und bringt uns ein wenig von unserem Kurs ab, aber wir müssen nicht paddeln.
Etappenziel ist der Campingplatz Heidepark in Silz, den wir durch einen Abstecher vom Kölpinsee in den Jabelschen See erreichen. Je weiter östlich wir kommen, desto größer, voller und teurer werden die Zeltplätze. Für uns Paddler gibt es eine extra Fläche, direkt am Strand, im Schatten hoher Bäume. Sehr hübsch! Nach einem Bad geht es ans Essen machen.
Strand des Camping Silz
Boot und Zelte auf dem Campingplatz
Silz ↣ Waren (Müritz)
K km 133, L 18 km Gewässer: Jabelscher See, Kölpinsee, Reeckkanal, Binnenmüritz
Das schöne Wetter hat uns verlassen, der Himmel zeigt sich grau. Wenigstens regnet es nicht. Noch nicht.
Einzelne Wolkenbänder überqueren den Kölpinsee. Aus der schwärzesten Wolke beginnt es unvermittelt zu schütten. Ehe wir an unsere Regensachen kamen, waren wir patschnaß. Der Wind kühlt ordentlich. Wenigstens ist es unter dem Spritzverdeck windstill und wärmer.
Während des Schauers hatte ich auf das nördliche Ufer des Kölpinsees zugehalten, in der Hoffnung auf eine Unterstellmöglichkeit. Aber die wenigen Bäume waren wegen des Schilfgürtels unerreichbar. Als wir dort ankamen, war die Husche schon wieder vorbei. Durch diese Aktion hatten wir die anderen aus den Augen verloren.
Wir fahren am Ostufer des Sees nach Süden, weil die Entfernung zum Ausgang hier am geringsten ist. Dafür haben wir mit hohen Wellen zu kämpfen. Einige Male müssen wir wegen der Reusen wieder weit in den See hineinfahren. Ohne Spritzverdeck wäre der eine oder andere Brecher ins Boot geschwappt. Auch so kam etwas Wasser ins Boot, denn das Spritzverdeck ist nur mit Druckknöpfen am Holzrahmen befestigt. Albi und Matz warten vor dem Ausgang des Kölpinsees auf uns.
Auf dem Zeltplatz Kamerun endet die Reise zu Wasser. Gerd wird morgen das Auto aus Schwerin holen und wir werden die Boote hier verladen. Wir bekommen ein ähnlich schönes Fleckchen zugewiesen, wie auf dem letzten Zeltplatz.
Nachdem die Boote zum Trocknen aufgestellt sind, machen wir einen Ausflug in die Stadt. Auch die Sonne scheint wieder.
Wir kommen an der Stelle vorbei, an der unsere 2013er Tour geendet hatte. Damals waren wir an der Havel-Quelle gestartet.
Rückfahrt: Waren (Müritz) ↣ Dresden
Gerd bricht früh auf, um das Auto zu holen. Der Rest gönnt sich noch etwas Schlaf.
Eine schöne Paddelwoche ist zu Ende gegangen. Eigentlich lief alles genau so wie geplant und wir mußten nicht improvisieren. Das Material hat auch alles gut durchgehalten. Nur mein linkes Handgelenk hatte ich mir gezerrt, bei dem Versuch die 90°-Drehung des Paddels bei Gegenwind allein aus dem Handgelenk zu erreichen, damit ich Blasen vermeiden kann. Blöde Idee.
P.S.: Danke an meine Mitpaddler für die vielen Bilder, die ich hier mit verwendet habe.